Anfang November wurde an der europäischen Strombörse EPEX eine dramatische Entwicklung der aktuellen Spotmarktpreise Strom beobachtet. Diese extremen Preissprünge verdeutlichen nicht nur die Schwankungen der Strompreise an der Börse, sondern auch die Chancen für Betreiber von Stromspeichersystemen, insbesondere in einer Jahreszeit, in der deren Nutzung sonst weniger attraktiv erscheint.
Anfang November, vor allem am 06. November, wurden außergewöhnlich hohe Strompreise am Spotmarkt verzeichnet. Schon die Tagespreise vom Vortag signalisierten eine deutliche Preissteigerung, mit Stundenpreisen über 500 €/MWh und Viertelstundenpreisen, die über 700 €/MWh lagen. Doch die Auktionen am Folgetag brachten sogar noch höhere Werte:
Diese extremen Preissprünge am Spotmarkt, die zu den außergewöhnlichsten des Jahres zählen, eröffnen unerwartete Chancen für Unternehmen mit Stromspeicher – selbst für solche, deren Systeme im Herbst und Winter weniger genutzt werden.
Wie genau ist der Spotmarkt aufgebaut? Hier finden Sie weitere Informationen.
Der 6. November war geprägt von einer sogenannten Dunkelflaute – einer Wetterlage mit geringer Einspeisung aus erneuerbaren Energien. Trübes Wetter und schwache Winde sorgten dafür, dass Solar- und Windkraftwerke kaum Strom lieferten. Gleichzeitig stieg die Nachfrage auf rund 66 Gigawatt (GW), was das Angebot knapp werden ließ.
Um die Nachfrage zu decken, wurde nahezu die gesamte heimische Produktionskapazität genutzt (rund 53 GW), ergänzt durch 13 GW an Importstrom. Trotz dieser Bemühungen reichte das Angebot nicht aus, um die Preise stabil zu halten.
Die aktuellen Spotmarktpreise für Strom zeigen eindrucksvoll, wie stark die Strompreise an der Börse auf Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage reagieren können. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die steigenden Preisspitzen – teilweise wirken sie wie eine Explosion der Strompreise – mehr als nur temporäre Ausschläge sind. Mittelfristig könnten sie gravierende Folgen haben, wenn nicht schnell Maßnahmen ergriffen werden. Der gezielte Ausbau von flexiblen Kraftwerken – die den Erneuerbaren Anlagen als Backup zur Seite stehen – und Stromspeichern ist dabei unerlässlich, um die Entwicklung der Strompreise an der Börse zu stabilisieren, Preisspitzen abzufedern und die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten. Denn die negativen Auswirkungen würden nicht nur die Verbraucher belasten, sondern auch die Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland ernsthaft gefährden.
Die extrem hohen Strompreise an der Börse verdeutlichen den aktuellen Zustand der Versorgungssicherheit in Deutschland – ein deutliches Signal für das zu knappe Angebot an Erzeugungskapazität wie auch Energiespeichermöglichkeiten. Auch Markus Krebber, CEO bei RWE, betont in seinem LinkedIn-Post die dringende Notwendigkeit, das System zu stabilisieren und mahnt zu schnellem Handeln. Er weist darauf hin, dass das gleiche Szenario an anderen Tagen des Jahres zu noch gravierenderen Problemen hätte führen können.
Neben den positiven Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit, bieten Stromspeicher in dieser Situation enorme Potenziale: Sie können ihre Anlagen optimal nutzen, die Effizienz steigern und von zusätzlichen Einnahmequellen profitieren. In der Regel nutzen viele Industriebetriebe ihre Batteriespeichersysteme in Kombination mit Photovoltaikanlagen (PV), um Strom zu speichern und zur Eigenversorgung zu nutzen. Doch im Herbst und Winter, wenn die PV-Anlagen weniger Energie produzieren, sinkt oft die Auslastung der Speicher.
Die jüngsten Preissprünge am Spotmarkt zeigen jedoch, dass sich gerade jetzt neue Möglichkeiten bieten:
Für ein Zwei-Stunden-System beispielsweise ergeben sich Durchschnittspreise, die durch die hohen Abendstunden besonders profitabel sind. Wenn man die beiden höchsten Stundenpreise des 06. Novembers betrachtet, liegt der Spread bei über 650 €/MWh – ein beachtliches Niveau.
Die Strompreise an der Börse haben mit den jüngsten Preissprüngen am Spotmarkt ein deutliches Signal gesendet. Sie verdeutlichen die Dringlichkeit, auf die aktuellen Marktbedingungen zu reagieren. Die außergewöhnlichen Schwankungen bieten besonders für Betreiber von Stromspeichersystemen, die mit Photovoltaikanlagen kombiniert werden, wertvolle Chancen. Auch in einer Jahreszeit, in der die Nutzung der Speichersysteme eigentlich weniger profitabel erscheint, lassen sich durch gezielte Optimierung von Lade- und Entladezyklen hohe Einnahmen erzielen. Angesichts der unsicheren Versorgungslage und der zu erwartenden Preisspitzen sind flexible Energiemanagementsysteme ein unverzichtbares Werkzeug für Industriebetriebe. Wer jetzt handelt, kann von den aktuellen Marktgegebenheiten profitieren und sich Wettbewerbsvorteile sichern. Umso mehr wird deutlich, dass die nachhaltige und zukunftsorientierte Nutzung von Batteriespeichersystemen ein Schlüssel zur Sicherstellung der Energieversorgung und zur Stabilisierung der Strompreise an der Börse darstellt.